Business Lunch vom 26.06.14 « Ergebnisse der Wahlen zum Europäischen Parlament: Situation und Perspektiven für die französische und europäische Wirtschaftspolitik?»

Nach einem wie immer sehr guten und auch pointierten Referat von Herrn Gerald Braunberger, verantwortlicher Redakteur für den Finanzmarkt der F.A.Z., hatten wir sehr vielseitige Fragen und Beiträge der Teilnehmer. Herr Braunberger beantwortete oder kommentierte mit einer ihm eigenen, sehr kompetenten Art, die auf viele Jahre der Erfahrung in Frankreich und seinem großen Interesse an der französischen und europäischen Wirtschaftspolitik baut.

Moderation: Robert Koschitz

C. Marchant, G. Braunberger, R. Koschitz

 

Wichtige Punkte seiner Ausführungen:

1) Einleitung über einen Exkurs in die franz. Innenpolitik:

Wahlergebnisse bei den Europawahlen: Ergebnis der PS in Frankreich (14%), Ergebnisse der Sozialisten in Italien (41%) und die Ergebnisse der FN und der „5 Sterne Bewegung“ von Grillo mit Ihrer Beachtung und Kommentierung in den Medien

  • Italien verbunden mit Hoffnung auf Veränderungen, versus
  • Frankreich verbunden mit vorhandenen Macht, aber wenig Veränderungswille und Umsetzung sowie mangelndes Vertrauen in die Politik

2) Frankreich und Europa

  • Frankreich und andere Länder befassen sich vor allem mit sich selbst und nutzen „Europa“ als Entschuldigung für eigene Fehler
  • Öffnung nach außen und Offenheit für Themen der Globalisierung, Digitalisierung und Demographie fehlen (Menschen wie F. Schirmacher?)
  • Deutschland verliert wieder an Boden
  • Es fehlt auch eine breitere öffentliche Debatte über Europa und dessen zukünftige Gestaltung.

3) Wirtschaft

  • Französischen Unternehmen fehlen oft Ressourcen (Mensch und Kapital) mit einigen Ausnahmen der Großunternehmen, die jedoch auch ihr Geschäft global im Ausland machen

Insgesamt war der Eindruck, dass Frankreich und Europa große Anstrengungen unternehmen müssen, um auf dem globalen Feld wieder auf zu holen. Europa kann den Ländern langfristig nicht als „Entschuldigung“ dienen für eigene Probleme, sondern nur als Plattform für gemeinsames verantwortliches Handeln.

 Fragen und Beiträge:

  • Auswirkungen des „Ancien Régime“ und der Präsidial Demokratie, Verschuldung und „Im-Mobilität“ großer Teile der Wirtschaft
  • Fehlendes Interesse der „Politik“ an der „Wirtschaft“: Eher Umverteilung anstatt Wachstum
  • Subsidiarität: EU funktioniert nur wenn die Länder funktionieren?!
  • Umsetzung der Wahlversprechen: Vergleich Italien und Frankreich, was bringt die Zukunft?
  • Auswirkungen der Demographie: Unterschiede in Frankreich und Europa?

Wir bedanken uns bei Herrn Braunberger für sein Referat und seine Antworten und Kommentare zu unseren Fragen: Wir wollen diese 4 jährige Tradition auch nächstes Jahr wieder fortsetzen.

Vielen Dank auch an die Teilnehmer für die angeregte Diskussion und den sehr vielseitigen Meinungsaustausch.

Bericht: Johannes Schmid