18. Business Lunch am 25. April 2018 mit dem Thema: „Stand der Entwicklung der FinTechs, welche Opportunitäten gibt es jetzt und zukünftig und wer könnten die Gewinner sein?“

Mit diesem Thema haben wir den Bereich der Digitalisierung im Laufe der letzten beiden Jahre breit abgehandelt. Aktuell sind die FinTechs intensiv ins Gespräch gekommen durch die erst jetzt in Deutschland und Europa doch sehr signifikanten Investments in die „fortgeschrittenen“ Start-ups. Ein gutes Timing für unser Déjeuner?!

Shekhar1-fotoNach der Begrüßung und Vorstellung von Herrn Samarth Shekhar, Mitgründer von „FinTech Forum“ sowie Gründer von „TechFluence“, sind wir seinem spannenden und fundierten Vortrag über die Marktentwicklung der FinTechs in Deutschland und der EU gefolgt. Zunächst hat Herr Shekhar sich und seine Firma im Kontext der Gründerszene vorgestellt und damit auch gezeigt, dass er dieses Feld wie wenige andere sehr gut kennt.

Moderation: Johannes Schmid

Wichtige Punkte seiner Ausführungen
(Die Präsentation kann von den Teilnehmern im Sekretariat angefordert werden):

  • Übersicht über die FinTechs und ihre Finanzierungen in der EU
  • Die deutsche FinTech Szene und dann
  • wohin führt die Zukunft? Was könnte man erwarten?

 

 Ad 1:
Seit 2013 hat sich das Volumen der globalen Marktfinanzierung der FinTechs sehr stark entwickelt von rund $ 3, 8 Mrd. auf $ 16,2 Mrd. in 2017. Dabei spielte bisher Europa nur eine sehr unter geordnete Rolle, das seit 2013 von $ 0,8 Mrd. auf $ 2,7 Mrd. gewachsen war, also nur knapp 20%, wovon auch noch ein großer Anteil in UK gelaufen war. UK und Deutschland gefolgt von Schweden, Frankreich und Schweiz belegen die ersten 5 Plätze in Europa.

Kreditech ist dabei das einzige deutsche Unternehmen unter den Top 10 Finanzierungen. Mit einer der größten deutschen Investoren ist die DVH Ventures (von Holtzbrinck).

FinTechs sind auch regelmäßig in M&A Transaktionen eingebunden, oft auch mit Corporate Investoren, die deren spezifischen Kompetenzen eher im größeren Zusammenhang für die Ergänzung ihrer Wertschöpfung benötigen und nutzen. Komplette, „quasi-FinTech-Banken“ gibt es nur sehr wenige Ausnahmen (z.B. solarisBank oder Digitalbank N26).

 

Ad 2:

Das Finanzierungsvolumen in Deutschland hat sich seit 2013 von rund $ 50 Mio. auf rund $ 500-600 Mio. in 2017 entwickelt. Ein regionales Zentrum / HUB kann nicht wirklich genannt werden. Hamburg, Berlin, München und Frankfurt spielen eine Rolle. Die größten Finanzierungsrunden gab es für Kreditech ($ 120 Mio.), FinLeap ($ 45 Mio.), Raisin ($ 32 Mio.), solarisBank ($ 28 Mio.).
Commerzbank und Deutsche Bank sind in diesem Markt der FinTechs auch aktiv, jedoch nicht vergleichbar mit anderen internationalen EU, UK oder US Banken.

 

Ad 3:

Wohin jetzt?

Die Schwerpunkte im FinTech Bereich liegen in den USA und seit ca. 3 Jahren auch in China.

 

Was könnte erwartet werden?

  • Finanzinstitute sind eher als „Build“ unterwegs, weniger als Investoren oder über M&A Transaktionen
  • FinTechs/ Non-Banks: wachsen eher über Partnerschaften und Akquisitionen oder über Up-selling / Cross-selling
  • B2C: Konzentration auf wenige Gewinner,
  • VCs gehen Richtung B2B / Enterprise Software, um neue digitale Value-chains zu unterstützen und zu entwickeln
  • Europa: Fokus auf Reglementierungs-Techs oder Versicherungs-Techs
  • Global spielen die „Großen“ wie Google, Amazon eine große Rolle, die sich bestimmte Funktionalitäten für ihre Wertschöpfung hinzukaufen und damit immer noch kompletter integriert sein werden.

Bei all den Transaktionen spielen im Grunde 3 Richtungen eine Rolle:

  • Reglementarische Anwendungen
  • Data Themen oder
  • Kunden-Portfolien

 

Wir hatten wieder eine sehr gute Diskussions- und Austausch-Runde:

 Fragen und Beiträge:

  • Wie werden sich die Geschäftsmodelle entwickeln? Wie können dann die Leistungen fakturiert werden?
  • Der Kauf von Kundenportfolien scheint immer noch ein sehr wichtiges Motiv zu sein.
    (Vergleich zu Citi Bank in den 80 Jahren?)
  • Solaris: Bank in the Box?
  • Wichtig ist aber auch, dass die FinTechs eine Lizenz erhalten. Hier scheint das Aufsichtsamt sehr positiv für FinTechs eingestellt zu sein
  • Versicherungen: Plattformen werden eher für Back-Office Themen entwickelt?!
  • Corporates / Handelsfirmen, Supermärkte werden vermutlich Ihre Wertschöpfung über FinTechs ergänzen, um die Kunden komplett zu bedienen und (im Griff) zu behalten
  • Wohin gehen die aktuellen Universalbanken? Verlieren sie weitere Teile Ihres ursprünglichen Geschäfts und schmelzen dahin?
  • RoboTechnik in der Beratung? Die Banken-Aufsicht sieht dies bisher sehr offen.

 

Fazit:
Es kann kaum erwartet werden, dass aus den FinTechs neue Großbanken entstehen werden. Aber es sieht so aus, dass sich die Handels- und Industrie-Firmen für Anwendungen / Prozessteile in der Geschäfts-Abwicklung zunehmend FinTechs hinzukaufen, um ihre Wertschöpfung zu vertiefen und damit den Banken ihr bisheriges „Intermediary“ Geschäft wegnehmen.

 

Es sind sicherlich größere Veränderungen in den kompletten Wertschöpfungsprozessen zu erwarten, die immer mehr über Applikationen zusammenwachsen und sich damit auch auf immer weniger, große Marktteilnehmer konzentrieren werden. Damit dürfte es aber auch vielen Mittelständlern gelingen, sich für ihre Wertschöpfung in größere Supply-Chains“ ein zu hängen und zu integrieren.

 

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihre aktive Teilnahme an der Diskussion und für den sehr konstruktiven Meinungsaustausch. Herzlichen Dank auch an Herrn Shekhar für seinen sehr fundierten Vortrag zum FinTech Markt und seine Ideen zur weiteren potentiellen Entwicklung des FinTech Marktes.

Redaktion : Johannes Schmid