Déjeuner d’Affaires /Business Lunch vom 9. November 2017 zum Thema „Frankfurt am Main – Metropolregion auf Wachstumskurs“ mit Andreas Völker, BNP Paribas Real Estate Deutschland & International

„Frankfurt am Main – Metropolregion auf Wachstumskurs“

  • Konjunkturhoch und Rekordumsätze: Immobilienboom ohne Ende?
  • Brexit und die Folgen: Perspektiven für den Büro- und Wohnungsmarkt
  • Neue Türme braucht die Stadt: Arbeiten und Wohnen mit Ausblick

 

Andreas Völker

Andreas Völker

Nach unseren beiden Déjeuners d´affaires mit Herrn Völker im September 2013 und 2015 hat auch dieses Mal das Thema „Immobilienmarkt“ mit 27 Teilnehmern wieder sehr große Resonanz gefunden.

Nach einer kurzen Vorstellung von BNP Paribas Real Estate Deutschland & International gab Herr Andreas Völker wieder einen sehr guten Impulsvortrag zum einstieg in unseren Austausch. Herr Völker ist seit vielen Jahren Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate Deutschland und Leiter des Bereichs Consulting & Valuation.

 

Die Folien der Präsentation in englischer Sprache sind dem Bericht zur weiteren Information beigefügt.

  1. Büromarkt-Entwicklung
  2. Investmentmarkt Frankfurt
  3. Neue Bereitstellung – Konversion / Umwandlung
  4. Auswirkungen des Brexit
  5. Wohnungsmarkt-Entwicklung (Institutioneller Markt) und
    Neue Bereitstellung – Hybrid Türme
  6. Ausblick, Perspektiven

 

Ad 1:

Büromarkt:
Die Perspektiven aus 2015 sind noch besser realisiert worden als erwartet. Nach 2015 und 2016 wird auch 2017 ein wirkliches Boomjahr, das 700-800.000 m2 erreichen kann, eine Größenordnung, die zuletzt 2007 realisiert wurde. Frankfurt ist damit der Dritte der „Big 6“ in Deutschland nach Berlin und München mit einer inzwischen niedrigen Leerstandquote von unter 10%. Bauaktivitäten liegen auf dem Niveau der letzten Jahre, fast zu wenig vor dem Hintergrund des Bedarfs.
Vor diesem Hintergrund dürften in den kommenden beiden Jahren die Leerstandsquote kaum wieder steigen. Gleichzeitig bedeutet dies aber auch, dass die Mieten weiter gestiegen sind, und Frankfurt nach wie vor vor München und Berlin die teuersten Büromieten hat: ein gesunder Markt für Investoren mit begrenzten Risiken!?
Im Trend sind höherwertige Büroimmobilien mit einem guten Umfeld und auch gemischter Nutzung. Büroräume sind heute auch wichtig, um sich als Arbeitgeber gut bei Bewerbern zu positionieren.

 

Ad 2:

Investment-Markt:
Frankfurt erreicht 2017 wieder ein Investmentvolumen von vermutlich über € 6 Mrd. und deckt damit rund 10% des deutschen Marktes ab, der inzwischen vor dem UK-Markt liegt. Gründe dafür sind die gute wirtschaftliche, konjunkturelle Entwicklung, die Führungsposition in Europa sowie auch das stabile politische und rechtliche Umfeld.
Dies zeigt sich jedoch auch in den gesunkenen Renditen.  Während die Immobilienpreise in Frankfurt noch einmal gestiegen sind, gaben sie in London – nicht zuletzt infolge des Brexit – in den vergangenen Monaten etwas nach.

Der Anteil ausländischer Investoren ist in Frankfurt stabil hoch bei über 50%.
Ad 3:

Neue Bereitstellung – Umwandlung:
In Frankfurt sind einige große „Quartiere“ geplant, wie zum Beispiel zwischen Messe und Bahnhof (> 40.000 m2), Bereich der früheren Deutsche Bank im Zentrum (> 215.000 m2), beide mit gemischter Nutzung durch Büros, Hotel und Wohnungen.

 

Ad 4:

Auswirkungen des Brexit:
Frankfurt dürfte den größten Nutzen aus dem Brexit und der Verlagerung von Aktivitäten aus London / UK werden:

  • 15 Banken haben bereits angekündigt Jobs nach Frankfurt zu verlagern, darunter amerikanische und japanische Großbanken
  • 1000 neue Jobs noch dieses Jahr und bis zu 10.000 in den kommenden 5 Jahren

Das bedeutet einen Bedarf von zusätzlichen 200-300.000 m2: ein Jahres-Neubau-Volumen!
Ad 5:

Wohnungsmarkt-Entwicklung (Institutioneller Markt) und neue Hybrid Türme

Die Kaufpreise sind seit 2011 in sehr guten Lagen von durchschnittlich 3500 auf 6000 €/ m2 gestiegen und bei einfachen Wohnungen von 2000 auf 3100 €/m2. Hier liegt dann auch ein großes Problem der Zukunft, im stadtnahen Bereich noch erschwingliche Wohnungen bereit zu stellen, um eine ausgewogene soziale Struktur zu erhalten.
Neue Bereitstellung über Hybrid-Türme werden an verschiedenen Stellen geplant und bereits realisiert. Die bisherigen Projekte wurden sehr gut angenommen. Neue Türme sind z. B. Grand Tower, One Forty West, 160 Park View, und die „Drei Schwestern“.
Ad 6:

Ausblick Büromarkt:

  • Neuer Rekord für 2017 mit ca. 630.000 m2 und ein Volumen von € 6 Mrd. Investment
  • Mieten werden weiter steigen in bevorzugten Lagen
  • Ein moderater Rückgang der Renditen kann nicht ausgeschlossen werden

Ausblick Wohnungsmarkt:

  • Weiterer Mangel an Bereitstellung: 2017 werden vermutlich annähernd 800.000 Menschen in Frankfurt leben
  • Weitere Anstieg von Kaufpreisen und Mieten
  • Große Probleme erschwingliche Wohnungen bereit zu stellen
  • Auch außerhalb des Zentrums dürften Wohn-Türme erstellt werden
  • Frankfurt muss mit seinen Nachbar-Gemeinden enger zusammenarbeiten

 

  • Fragen und Beiträge:
    • Notwendigkeit enormer Infrastruktur-Investitionen in Frankfurt und Umgebung bei diesen Wachstumsprognosen der Bevölkerung.
    • Immobilien-Mischformen / Hybrids werden sehr wichtig und interessant für Frankfurts Entwicklung
    • Brexit wird zusätzlichen Bedarf bringen, es gibt jedoch auch Bereiche, deren schwache Entwicklung in der Vergangenheit jetzt kompensiert werden können.
    • Offenbach ist wichtig als Back-up-Standort für Frankfurt
    • Risiko eines Rückschlags wie 2007? Heute ist dieses Risiko erheblich geringer wegen besserer Finanzierung mit mehr Eigenkapital (nicht mehr 100%) und gut finanzierten Investoren
    • Risiko eines größeren Zinsanstiegs wird in den kommenden 2-3 Jahren eher gering eingeschätzt, wenn es keine externen Ereignisse gibt
    • Frankfurt ist ein wichtiger IT Standort (Knoten), der die Entwicklung der Stadt / Region auch gut unterstützt
    • Ansiedlung von FinTech Community trägt auch zur positiven Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und neuer Sektoren bei
    • Entwicklung in Deutschland: Im Osten ist es sehr unterschiedlich: Berlin-Ost, Leipzig und Dresden entwickeln sich sehr stark. Erfurt und Jena zeigen auch eine sehr gute regionale Entwicklung
    • Mainz zeigt eine gute regionale Entwicklung, die weniger beachtet wird und durch lokale Investoren getrieben ist

 

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihre sehr rege und aktive Teilnahme an der Diskussion und dem offenen Meinungsaustausch. Herzlichen Dank auch an Herrn Völker für seinen umfassenden Vortrag und seine klaren Antworten und Kommentare.

 

Bericht : Johannes Schmid (20.11.17)