Déjeuner d’Affaires / Business Lunch vom 05. Juli 2017 mit Gerald Braunberger (FAZ) zum Thema « Die deutsch-französische Achse steht vor neuen Chancen und Herausforderungen: Welche Neuausrichtung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen sowie welche Weiterentwicklung der Euro-Zone sind gefragt? »

Gerald Barunberger

Gerald Barunberger

« L´axe franco-allemand face à de nouvelles chances et nouveaux défis : Quelle nouvelle direction à donner aux relations économiques et politiques ainsi qu’à l´évolution de la Zone Euro ? »

Mit dem „Déjeuner d´Affaires“ hatten wir 2013 unsere inzwischen gut etablierte Diskussionsrunde mit Herrn Braunberger, verantwortlicher Redakteur für den Finanzmarkt der F.A.Z, begonnen. Herr Braunberger war insgesamt zum 7-ten Mal unser Referent. Er gab zu jeder Zeit eine sehr gute Analyse der Situation ab und hat immer sehr kompetent Stellung zu den Fragen aller Teilnehmer genommen.

Anders als die letzten Male hat Herr Braunberger jetzt seinen Optimismus betont, den er nach den Wahlen in Frankreich wiedergefunden hat. Die eher verlorene Zeit unter der Präsidentschaft von Präsident Hollande sollte jetzt mit der Wahl von M. Macron und dem neugewählten Parlament beendet sein und es sollte eine Neuorientierung in Frankreich erfolgen können mit allen positiven Konsequenzen auch für Europa.

Moderation: Johannes Schmid

 

  • Wichtige Punkte seiner Ausführungen:

 

  1. Optimistische Erwartungen
    Zum ersten Mal seit ein paar Jahren herrschen optimistische Erwartungen nach den Wahlen in Frankreich vor. Daneben stimmen auch die Wahlen in Holland positiv sowie das Zusammenrücken der übrigen 27 EU Länder nach dem Brexit-Referendum. In Deutschland wird sehr wahrscheinlich Bundeskanzlerin Merkel in einer Koalition weiter regieren können. Die Wahlen in den anderen Ländern (Italien und Österreich) stehen ebenfalls noch aus, dürften aber vergleichsweise geringere Auswirkungen auf Gesamteuropa haben.

 

Frankreich: Die vom neuen Präsidenten und seiner Regierung anvisierten Veränderungen und Reformen, könnten gut gelingen, da auch das ökonomische Umfeld und die gute Konjunktur durch Wachstum unterstützend wirken dürften. Viel schwieriger wäre es, wenn die konjunkturellen Aussichten nicht so positiv wären. Das Thema der 35 Stundenwoche dürfte sich damit auch erledigen und eine Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs bringen.

 

  1. Bedeutung für Europa

Nach den bisherigen Erfahrungen mit dem Brexit dürften keine weiteren Länder ausscheiden wollen und die Länder eher enger zusammenrücken, auch wenn es evtl. stärkere Interessengemeinschaften geben könnte.
Interessant und sehr lesenswert zum Thema „Europa / EURO“ sei das Buch „EURO and the Battle of Ideas“, das von drei Autoren Markus K. Brunnermeier, Harold James und Jean-Pierre Landau geschrieben wurde. Bei den Autoren handelt es sich um einen deutschen, einen englischen und einen französischen Professor, die sich an der University of Princeton eher zufällig getroffen haben und aus ihren jeweiligen nationalen Sichten und Historien das Thema mit einem positiven Ende diskutieren.
Ergebnis ist, obwohl die EU / EURO nicht direkt zusammenpasst und die Länder sehr unterschiedlich seien, Europa jedoch gute Perspektiven haben dürfte, wenn es gut gelänge, mit einander gemeinsame neue Themen / Projekte zu entwickeln und alte historische Gegebenheit für zu überwinden. Notwendig für die Positionierung von Europa in der globalen Welt wäre es zweifelsfrei. -> Sehr lesenswert.

 

  1. Europa in der Weltpolitik
    Europa strebt einen eher multipolaren Ansatz für die globalen weltpolitischen Beziehungen an. Dies dürfte jedoch nicht einfach werden, da Europa sich hierfür erst positionieren muss und sich eine maßgebliche Position in diesem globalen Beziehungsnetz erarbeiten und sichern muss. Dazu ist es notwendig, dass Europa sich stärker akzentuiert und sich aus seiner bisher eher passiven Rolle herausentwickelt. Dies bedeutet vor allem, dass sich Europa auf seine eigenen „Füße“ stellen muss. Eine stärkere Position Frankreichs wäre hierfür sehr wünschenswert und erforderlich. Es dürfte jedoch min. 2-3 Jahre dauern, bis Frankreich im Inland die Wende geschafft haben dürfte.
  • Wichtige Fragen und Beiträge:
  1. Notwendigkeit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, ins besondere die Arbeitsgesetzte in Frankreich zu reformieren
  2. Unterschiedliche Position und Bedeutung des Mittelstands in Frankreich und Deutschland
  3. Gute, bessere Situation von Start-ups in Frankreich und deren Finanzierung durch Venture Capital
  4. Verschuldung / Transfer-Union: Griechenland ist ein Sonderfall
  5. Notwendigkeit der Lösung des Problems „Jugendarbeitslosigkeit“
  6. Gemeinsame europäische Projekte zur Finanzierung und Realisierung als Basis für zusätzliches Wachstum: Es gibt Projekte in der Pipeline
  7. Brexit als Motivation für eine bessere Zusammenarbeit
  8. Position von Paris und Frankfurt im Wettbewerb um Firmen / Banken aus London
  9. Vergleich EURO versus ECU: Der ECU war zu seiner Zeit auch nicht optimal

 

Wir bedanken uns bei Herrn Braunberger für seinen optimistischen und pointierten Vortrag und seine Antworten auf alle unsere Fragen: Wir werden dieses traditionelle Dejeuner mit ihm gerne auch im nächsten Jahr fortsetzen.

Vielen Dank auch an die Teilnehmer für die angeregte Diskussion und den lebhaften Meinungsaustausch

 

Redaktion: Johannes Schmid