Déjeuner d’Affaires / Business Lunch vom 28. März 2017 zum Thema „Digital Factory“ mit Dr. Jean-Luc Vey, Deutsche Bank

„Digitalisierung in der Finanzbranche:

Beispiel Deutsche Bank  –  vom Konzept zur Realisierung“

Nach dem wir bei den Business Lunches im letzten Jahr über die Digitalisierung der Supply-Chain diskutiert hatten, werden wir jetzt in diesem Jahr Themen der Digitalisierung im Bank- & Finanz-Sektor behandeln. Dabei wird immer deutlicher, dass die Digitalisierung nicht nur die Unternehmen, ihre Branchen, sondern auch branchenübergreifende und auch große gesellschaftliche Bedeutung haben wird.

Jean Luc VeyNach der Begrüßung und Vorstellung von Herrn Dr. Vey, Assistant Vice President, Coordination Community Management, Center of DIGITAL FACTORY, Deutsche Bank (Frankfurt / Main) und langjähriges engagiertes Mitglied im Club des Affaires de la Hesse, folgten wir mit Spannung dem sehr guten und umfassenden Vortrag von Dr. Vey. Herr Dr. Vey ist seit vielen Jahren bei der Deutsche Bank mit Innovations-Projekten verantwortlich betraut. Vor ca. 6 Monaten wurde jetzt die Initiative „Digital Factory“ gegründet, mit dem Ziel, Grundlagen zu entwickeln, die die Deutsche Bank unterstützen sollen, diese Transformation erfolgreich voran zu bringen. Der Fokus liegt auf dem Privat / Retail-Kundensegment.

Wichtige Punkte seiner Ausführungen:

„Digitalisierung ist kein Hype, sondern Realität, die wir aktiv gestalten (müssen)“

(Die Präsentation ist beigefügt, hier klicken)

  1. Herausforderungen durch die Digitalisierung
    • Marktentwicklungen
    • Umsetzung & Realisierung / Change Management
  2. Konzept der „Digital Factory“
  3. Lösungsansätze:
    • Produktentwicklung und radikales denken aus Kundensicht
    • Agile Software-Entwicklung
    • End-to-End Automatisierung der Prozesse
    • Unternehmenskultur
  4. Bedeutung und Zusammenarbeit mit FinTechs

 

Ad 1:
Mit der Digitalisierung wird der Wandel zum Gesetz. Die Herausforderung der Digitalisierung wird durch die parallelen Herausforderungen durch Wandel in Technologie, Demographie und zunehmender Komplexität noch weiter verstärkt.

  • Markt:
    • Kundenzentrierte Entwicklung
    • Digitalisierung verändert Kundenverhalten messbar
    • Kaufentscheidungen fallen früher und die Kunden anders informiert sind
    • Neue Wettbewerber sind viel mehr Google, Amazon, etc. als die FinTechs
  • Change Management:
    • Die Umsetzung der Digitalisierung erfordert ein neues „Setup“ der Banken
    • Digitale Transformation benötigt ein passendes Umfeld:
      Ressourcen, Prozesse, Kommunikation und Kultur / „Mind-set“
    • Starker Wettbewerb um „digital talents“

AD 2:

  1. Einige Fakten zur „Digitalfabrik“:
    Alles unter einem Dach, mehr als 400 Mitarbeiter aus 14 Ländern, Start-up Atmosphäre, Programmierung & Design, Flexibilität statt starrer regeln, deutliche Verkürzung der Entwicklungs- und Produktions-zeiten, enge Kooperation der digitalen Entwicklungslabors, Kooperation mit Start-ups und MIT, USA
  2. Veränderte Anforderungen an Mitarbeiter und Arbeitsumgebung
  3. Anpassung der Prozesse an das agile Arbeiten

Ad 3: Vier Lösungsmuster

  1. Produktentwicklung und radikales Denken aus Kundensicht
  2. Agile software-entwicklung basieren auf Rückmeldungen von Kunden
  3. End-to-End Automatisierung der Prozesse:
    Echtzeit Kommunikation mit Kunden, Automatisierte Prozesse (Robotics), Kosteneinsparungen durch minimale manuelle Eingriffe, Echtzeit-Reporting / Controlling
  4. Unternehmenskultur wie führende Technologie Unternehmen

Ad 4:
Wichtige Partner
für die Umsetzung sind die FinTechs und eine innovations-fördernde Arbeitsumgebung, wie sie auch in der Industrie und Technologie-Unternahmen praktiziert werden:

YOU CANNOT INNOVATE WITHIN YOUR COMFORT ZONE !

Der Vortrag und die gut gemischte Zusammensetzung der Teilnehmer und Interessenten ergaben danach eine sehr lebhafte Diskussionsrunde mit vielseitigen Fragen und Beiträgen.

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Fragen und Beiträge:

  • Stand der Umsetzung und Erkenntnis in den Geschäftsbereichen und Filialen:
    noch nicht durchgedrungen im Filialbereich. Man setzt „digitale Berater“ ein, die dies unterstützen sollen
  • Fokus: Fokus liegt im Moment auf dem Retailgeschäft
  • Die Banken sind eher IT Dinos, wie soll hier diese Transformation umgesetzt werden?
    B. über Produkt-shop, Verbinden und Integration der Kundenkanäle, Analyse der Kunden,
    Entwicklung von Kundenszenarien, z.B. Umzug, etc.
  • Bedeutung und Einbindung der Filialen:
    Neue Services, Videokonferenzen für komplexe Produkte, Entwicklung einer Filiale der Zukunft (Cafe-shop, Events, etc.)
  • Wie baut man die Bank um? Mit radikalem Schnitt, extern oder integriert?
    Am besten man lässt es den Kunden entscheiden wohin er geht. Die Bank muss aber professionell antworten, wie kann dies sichergestellt werden?
  • Rolle der FinTechs:
    Die deutsche Bank sieht FinTechs eher als Partner. Sie sind zwar oft technisch sehr gut aufgestellt, aber es fehlt bei ihnen oft geschäftliche Erfahrungen, insbesondere bei Marketing, Regelungs- und rechtlichen Themen
  • Welche Banken sind Vorreiter?
    in Deutschland DIBA, DeuBa und CoBa sind eher gleichauf mit ihren Konzepten / Inkubator Initiativen. In Europa eher spanische und britische Banken
  • Plattform-Entwicklung zu Szenarien und Services, wie z.B. im Immobilien- oder Telco-Sektor? bisher noch wenig realisiert in Deutschland
  • Einfluss der Entwicklung von Blockchain
    Bisher ist dieses Thema von Technologie Unternehmen voran getrieben worden. Hier liegt auch eine größere Wettbewerber Herausforderung für die Banken. Versuche werden gemacht oder man ist daran beteiligt.
  • Wichtige Probleme bilden auch „Medienbrüche“ bei der Realisierung von end-to-end automatisierten Prozessen
  • Gesellschaftliche Vorbereitungs- und Folgeprobleme:
    wurden als sehr bedeutend eingeschätzt jedoch auf Grund der begrenzten Zeit nicht diskutiert.

 

Fazit:
Digitalisierung ist kein Hype! Es ist höchste Zeit, dass sich der Finanzsektor sehr professionell damit auseinandersetzt.

 

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihre aktive und sehr konstruktive Teilnahme an der Diskussion und für den offenen Meinungsaustausch. Herzlichen Dank auch an Herrn Dr. Vey für seinen sehr animierenden Vortrag und seine umfassenden Antworten und Kommentare.

 

Johannes Schmid, 03.04.17