Déjeuner d’affaires / Business Lunch vom 30.11.2016: „Die Digitalisierung als Treiber einer vernetzten Welt – Standardisierung als Kernherausforderung für eine effiziente Supply Chain“

Nach dem Business Lunch im September mit dem Thema « Die Digitalisierung, der Imperativ für den Erfolg der Unternehmen in der Zukunft » haben wir uns bei diesem Business Lunch mit der erfolgreichen Realisierung und Umsetzung der Digitalisierung und der damit verbundenen weltweiten Vernetzung befasst.

Nach der Begrüßung und Vorstellung von Herrn Pretzel durch Monsieur Aymeric de Fouchardière, Vice Président des Club des Affaires, hielt Herr Pretzel einen sehr guten Vortrag über die Trends, Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren für die erfolgreiche Realisierung der Digitalisierung. Herr Jörg Pretzel ist ein ausgewiesener Experte, seit 2003 Geschäftsführer von GS1 Germany GmbH sowie Mitglied des weltweiten Management Boards von GS1. GS 1 Standards ist quasi Marktführer in der weltweiten Standardisierung der Produktkennzeichnung sowie deren Nutzung z.B. über Barcodes oder auch RFID-Technologien.

Die Präsentation ist beigefügt ( presentation-j_pretzel-bl-30-11-16 ). Über den Link kommen Sie zu dem Video der Gottlieb Duttweiler Institute aus der Präsentation: „Die Zukunft der vernetzten Gesellschaft – Neue Spielregeln, neue Spielmacher“

Moderation: Johannes Schmid

 

  • Wichtige Punkte seiner Ausführungen: 
    1. Die Digitalisierung ist Realität: Bedeutung, Situation und Trends
    2. Beispiel: Industrie 4.0
    3. Standardisierung, die Kernherausforderung entlang der gesamten Wertschöpfung
    4. Best Practice Beispiel: ECR Award (Efficient Consumer Response)

 

Ad 1:
Das Video zeigt sehr anschaulich, wie sich die Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung verändern.

  • Die Digitalisierung ist bereits nahezu überall in der Realität angekommen.
    • 78% der Deutschen nutzen Internetangebote
    • 60% der deutschen Internetnutzer surfen mobil
    • 56% der Angebote im Dienstleistungs-bereich sind bereits hoch digitalisiert
    • 27% der Unternehmen erwirtschaften >60% ihres Umsatzes digital
    • 76% der Europäer nutzen das Internet, in Deutschland sind es sogar 84%
  • Die Welt dreht sich immer schneller und erhöht den Druck auf die Unternehmen:
    • in allen Bereichen der Wertschöpfung lassen sich über signifikante Effizienzsteigerungen Wettbewerbsvorteile erzielen lassen:
      Stichworte sind: Globalisierung, Same Day Delivery, Überall-Verfügbarkeit, Bíg Data, Cloud-Anwendungen, Industrie 4.0, Social Media, etc.
    • Verkürzung der Innovationszyklen
    • Adaption von Innovation durch die Kunden: (z.B. Schwarz-Weiß TV: 26 Jahre; IPhone: 2,5 Jahre für 25% der Bevölkerung)
    • Zunahme der globalen Vernetzung und Komplexität

Entscheidend für die Unternehmen ist die Umsetzung und konkrete Realisierung!

 

Ad 2:

Industrie 4.0: Die Digitalisierung ist der Treiber für Industrie 4.0 (PWC Studie)

  • Die deutsche Industrie will bis 2020 jährlich 40 Mrd. Euro in Industrie 4.0-Anwendungen investieren
  • Im Jahr 2020 werden über 80% der Industrie-Unternehmen ihre Wertschöpfungskette digitalisiert haben
  • Digitale Lösungen versprechen Effizienzsteigerungen von knapp 20% bis 2020
  • Deutsche Unternehmen erwarten über 30 Mrd. zusätzlichen Umsatz pro Jahr durch Industrie 4.0

Ad 3:

Die mit Abstand größten Kernherausforderungen sind die Standardisierung sowie die immer effizientere Prozess- und Arbeitsorganisation. Die Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen haben dagegen eine vergleichsweise sehr geringe Bedeutung.

  • Zentrale Elemente von Industrie 4.0 sind
  • Effizienter Austausch von Daten
  • Eindeutige Kennzeichnung der Produkte
  • Nutzung von Echtzeit-Daten
    • Produktstammdaten, Trusted Data werden zum zentralen Wettbewerbsvorteil

Ad 4:

Nutzung von Standards als Basis für den Erfolg der Umsetzung entlang der gesamten, immer mehr vernetzten, Wertschöpfung sowie für eine immer mehr an Bedeutung gewinnende „Efficient Consumer Response“, was durch den ECR Award unterstrichen wird. (Video ECR Award in der Präsentation)
Folgende Themen werden von GS1 adressiert:

  • Identifikation von Objekten
  • Abruf von Objekt-Daten
  • Kommunikation zwischen Objekten
  • Registrierung und Speicherung von Event / Abläufen (track & trace)
  • Transformation der Daten hin zu Informationen

Ohne einheitliche Standards gibt es keine Effizienzgewinne für Kooperationen mit Partnern und Kunden, z.B. bei

  • Grenzüberschreitendem Warenverkehr ohne standardisierte Transportetiketten
  • Wechsel von Transportmitteln ohne standardisiertes Warentracking
  • Nutzung von nicht standardisierten Paletten und LKW-Ladevolumina
  • Nutzung von nicht standardisierten Transportverpackungen

 

Die klare Darstellung in Verbindung mit Beispielen hat allen Teilnehmern einen guten und sehr verständlichen Einblick in dieses komplexe Thema gegeben. Entsprechend lebhaft waren Fragen und Beiträge.

 

  • Fragen und Beiträge:
    • Standardisierung, ein Zwang zum kleinsten Nenner als Voraussetzung für effiziente Kooperationen in der Supply Chain
    • Vorsprung bestimmter Länder? Es gibt keine generellen Aussagen zu größeren Wettbewerbsvorteilen einzelner Länder, aber Digitalisierung wird noch sehr wichtig werden!
      USA sind nicht sehr weit voraus.
    • Berlin ist ein sehr interessanter Industrie-Innovations-Standort geworden in Europa, auch durch die Diversität durch die 27 Länder
    • Was kann Europa machen?
      • Nicht warten auf Politik, zu langsam
      • Wirtschaft / Unternehmen zusammen bringen auch über ISO Definitionen
    • Transparenz schaffen, auch wenn sie nicht immer gewünscht ist. Wer wären die Treiber?
    • Vorantreiben über innovative Produkte und Kunden: Beispiele aus der Lebensmittelbranche:
      • Barcodes und RFID bei Textilien und Lebensmittel
      • Verbindung vom Ursprung (Tier) zum Konsumenten (Fleisch, Käse, etc.)
      • Transport, Paletten, etc.

Fazit:
Digitalisierung ein Hype?
Nein, man muss dabei sein und beharrlich dabeibleiben. Kurzfristige Effekte werden nicht interessant und erfolgreich sein

 

Wir bedanken uns wieder bei allen Teilnehmern für ihre rege und aktive Teilnahme an der Diskussion und dem offenen Meinungsaustausch. Herzlichen Dank auch an Herrn Pretzel für seinen sehr fundierten Vortrag und seine klaren Antworten und Kommentare.

 

Bericht: Johannes Schmid, 15.12.16