Déjeuner d’affaires / Business Lunch vom 18. Mai 2016: « Die Herausforderungen an die deutsch-französische Achse vor dem Hintergrund der aktuellen deutsch-französischen wirtschafts- und politischen Beziehungen und der Entwicklung der Euro-Zone » mit Gerald Braunberger, FAZ

Gerald Barunberger

Gerald Braunberger, FAZ

Bereits zum 6. Mal hatten wir die Freude, Herrn Braunberger, verantwortlicher Redakteur für den Finanzmarkt der F.A.Z, als Referenten für unsere jährliche Wirtschafts- und finanzpolitische Diskussion bei unseren Business Lunches zu haben. Das Interesse war wie immer sehr groß. Nach seinem klar strukturierten und pointierten Vortrag hatten wir sehr interessante Fragen und Beiträge der Teilnehmer aus französischer und deutscher Sicht, die zum Teil auch einige Besorgnis zum Ausdruck brachten
 

Wichtige Punkte seiner Ausführungen:

  1. Sehr interessante neue gemeinsame französisch-deutsche Entwicklung: Start für ein „Digital Valley Paris-Berlin“  über „French-German EUnicorns“ Tage mit Start-ups in Paris (Anfang April) und in Berlin (9.Mai), um wechselseitig Investoren und Großfirmen zu interessieren. Organisiert wurde diese Doppelveranstaltung von der französischen Botschaft und Roland Berger.
    Themen: Cyber Security, Mobility und Industry 4.0 (Link: http://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/OTS-Roland-Berger-Anschub-fuer-ein-Digital-Valley-Paris-Berlin–1001198045 )
  2. Nach diesem positiven Aspekt aus der Wirtschafts- und Unternehmenswelt, war sein zweites, das Hauptthema die aktuelle Periode der Verunsicherung, die auch noch länger anhalten sollte, basierend auf zwei wesentlichen Gründen:
    • Trend zu politischen Außenseitern in Europa, da die bestehenden politischen Parteien zur „Beliebigkeit“ neigen und die Mittelschicht große Angst vor dem wirtschaftlichen Abstieg hat, bzw. eine Verbesserung der Situation für die Jugend in vielen Ländern nicht in Aussicht steht. Dies wird verstärkt dadurch, dass das Vertrauen in die politischen Eliten sinkt, diesen neuen Herausforderungen gewachsen zu sein.
      Beunruhigend sei auch die zunehmende Radikalisierung und „Gewalt“ in der Kommunikation in den elektronischen Medien.
    • Ein zweiter Trend sei, dass die ökonomische Situation mit anhaltend schwachem Wachstum, trotz der Geldpolitik der niedrigen Zinsen, noch länger fort dauern dürfte. Grund hierfür liegt darin, dass über viele Jahre sowohl öffentlich als auch privat über die Verhältnisse gelebt wurde und hier nachhaltige Struktur-Änderungen notwendig sein werden.
      Es dürfte kaum möglich sein, dies wie in früheren Perioden, einfach „weg zu inflationieren“, da diesem Weg

      • eine negative Demographie-Entwicklung und
      • praktisch keine Produktivitätsgewinne durch den technischen Fortschritt

entgegenstehen.

Folgende 3 wichtigen Problembereiche und Herausforderungen erscheinen wichtig:

  • Schuldenstreichung sehr schwierig, da diesem Weg die bestehende Altersversorgung entgegensteht
  • Verteilungsprobleme mit zunehmender Ungleichheit wie in USA, da mittelfristig keine Reallohnsteigerungen in Sicht
  • Vermehrte Dienstleistungsgesellschaft mit vermehrt prekären Arbeitsverhältnissen

 

  • Konsequenzen und aktuelle kritische Entwicklungen und Gefahren:
    • Zukunftsangst verbunden mit „Einmauern“
    • Brexit? weitere Exits?
    • Vermehrt zentralistische EU provoziert mehr und mehr EU-Bürger
  • Deutschland und Frankreich als Zugpferde fallen aus, da beide Länder aktuell politisch eher schwach sind:
    • Hollande mit Reformen, deren Motivation jetzt kaum verständlich sind und
    • Große Koalition, die nichts mehr bewegt.

Fragen und Beiträge:

  1. Rolle der Medien in dieser Entwicklung und für die Entwicklung von Auswegen?
  2. Wohin geht Frankreich bis und dann nach der Wahl?
  3. Wohin geht Europa? Erneuerung der EU und / oder der Länder? – Kaum zu erwarten.
  4. Europa der (2) verschiedenen Geschwindigkeiten?
  5. Reallohnsteigerungen weiterhin sehr begrenzt.
    Produktivitätsgewinne gibt es sicherlich, aber sie werden oft über die neuen Geschäftsmodelle monopolisiert (Google, Facebook). Bisher ist die Entwicklung von europäischen Gegengewichten gescheitert. (Beispiel Ratingagenturen)
    positiv sollte jedoch dabei auch mit betrachtet werden, dass mit diesem Fortschritt sich auch unser Leben positiv verändert, was nicht gemessen wird.
  6. Es wurde auch mehr Optimismus gefordert, um diese Herausforderungen an zu gehen und zu bewältigen. Beispiel sind der Mittelstand in einigen Ländern, der oft gute Marktpositionen weltweit besetzt. (Handelsblatt von 16. Mai)
  7. Politik der EZB: Herr Braunberger glaubt nicht, dass Eurobonds in absehbarer Zeit realisiert werden.

Wir bedanken uns bei Herrn Braunberger für seinen pointierten Vortrag und seine Antworten Beiträge zu unseren Fragen. Wir werden diese Tradition sicherlich auch nächstes Jahr wieder fortsetzen.

Vielen Dank auch an die Teilnehmer für die angeregte Diskussion und Meinungsaustausch sowie an Herrn Koschitz für die Moderation.

Redaktion: Johannes Schmid