Business Lunch vom 6. Mai 2015 mit Herrn Braunberger: „Die deutsch-französische wirtschafts- und politischen Beziehung vor den Herausforderung in der Euro-Zone“

Das Interesse an diesem schon traditionellen Business Lunch einmal im Jahr im Mai /Juni war wieder sehr groß. Nach einem wie immer sehr informativen und auch pointierten Referat von Herrn Gerald Braunberger, verantwortlicher Redakteur für den Finanzmarkt der F.A.Z, hatten wir sehr interessante Fragen und Beiträge der Teilnehmer.

Moderation: Robert Koschitz

Wichtige Punkte seiner Ausführungen:

1. Europa: „Griechenland“ war als Eingangsthema zu Europa

2. Deutsche Sprache in Frankreich

3. Wirtschaftliche und unternehmerisches Situation bei grenzüberschreitenden M&A Transaktionen und Fusionen mit Unternehmen in Frankreich

1. Europa: „Griechenland“ war als Eingangsthema zu Europa

o Im Vergleich zum letzten Jahr sieht Herr Braunberger heute die wirtschaftliche Situation in Europa erheblich verbessert. Wesentliche Gründe sind aus seiner Sicht:

  • Die Geldpolitik der EZB
  • Die Ölpreis-entwicklung
  • Verbesserte Finanzpolitik in vielen Ländern sowie die Auswirkungen der günstigeren Zinsen und die auch daraus folgenden
  • günstigeren Finanzierungsmöglichkeiten für (mittelständische) Unternehmen

Die Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung zeigen nach der Krise insbesondere in folgenden Ländern nach oben: z.B. Spanien, Italien.

Frankreich hat bisher trotz jetzt eingeleiteter Maßnahmen noch keine Erfolge erzielen können.

Deutschland verspielt aus seiner Sicht seine gute Situation; mal sehen, ob nicht in 5 Jahren Deutschland dann wieder von Frankreich lernen kann und muss?!

o Griechenland: Griechenland zeigt heute mit Abstand die schlechtesten Zahlen mit einem verstärkten Abwärtstrend. Aus seiner Sicht ist es kaum verständlich, wie eine Regierung ein Land, das auf dem Wege der Besserung war, so schnell eine solch absolut negative Entwicklung einleiten und es in eine solche missliche Lage manövrieren konnte: wirtschaftlich liegt Griechenland in Trümmern. Gleichzeitig wurden die Beziehungen zu fast allen Ländern der EURO-Zone massiv beschädigt.

Wie geht es weiter?

Aus Sicht von Herrn Braunberger ist die wirtschaftliche Entwicklung nur ein Punkt, ob Griechenland in der Zone bleibt oder ein GREXIT wahrscheinlich wird. Die geopolitische Situation Griechenlands ist der andere Punkt. Es ist klar, dass die Regierung auf diese Situation abzielt und darauf pokert.

2. Deutsche Sprache in Frankreich

o Die deutsche Sprache in französischen Schulen: Kann man französische Kinder vor der deutschen Sprache schützen?

Es erscheint auch für das langfristige Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland sehr grundlegend zu sein, dass in beiden Ländern wechselseitig wieder mehr Anstrengungen unternommen werden sollten und dies nicht nur eine Frage einer kleinen Elite sein sollte.

Generell kann man in vielen Ländern ein wachsendes Interesse an der deutschen Sprache feststellen.

3. Wirtschaftliche und unternehmerisches Situation bei grenzüberschreitenden M&A Transaktionen und Fusionen mit Unternehmen in Frankreich

o Es ist eine zunehmende Öffnung der französischen Politik für grenzüberschreitende M&A Transaktionen / Fusionen fest zu stellen. Ein wichtiger Grund erscheint die Erkenntnis in der Regierung, dass die Wettbewerbsstärke in Frankreich auch mit ausländischer Hilfe verbessert werden sollte. Dies dürfte auch das Interesse von ausländischen Firmen vergrößern in Frankreich wieder zu investieren. 3 Transaktionen wurden angesprochen: Lafarge / Holcim, Alstom / GE und Alcatel Lucent.

Fragen und Beiträge:

o Förderung der deutschen und französischen Sprache und Kultur in Deutschland und Frankreich ist sehr notwendig: Eine Forderung, die wir immer wieder in unseren Diskussionen treffen. Hier könnten Schulen und Kindergärten maßgeblich unterstützen, die meist privat initiiert sind.

o Zuviel Staat und Reglementierung in Europa?

  • Ruf nach mehr Staat nimmt überall zu
  • Notwendige Veränderungen im Finanz-system erfordern dies auch, um Fortschritte zu erzielen, jedoch sollten doppelt und dreifach Verwaltungen auf den verschiedenen Ebenen beseitigt werden

o Auswirkungen der EZB Politik auch im Verhältnis zu USA, China und Japan längerfristig nicht klar absehbar. Hier muss man sehen, dass solche Maßnahmen nur kurz Zeit wirken, bis die anderen wieder reagieren.

Wir bedanken uns bei Herrn Braunberger für seinen pointierten Vortrag und seine Antworten und Kommentare zu unseren Fragen: Wir wollen diese jetzt 5 jährige Tradition auch nächstes Jahr wieder fortsetzen.

Vielen Dank auch an die Teilnehmer für die angeregte Diskussion und Meinungsaustausch.

Bericht : Johannes Schmid