Business Lunch vom 5. März 2015

Bericht über den aktuellen Stand und die Perspektiven der zentralen Zukunftsthemen der EU Kommission:

 Investitions-Offensive: „Junckerplan“
Mobilisierung von öffentlichen und privaten Investitionen in Höhe von € 315 Mrd. in 2015-17
und
Innovations-Offensive: „Horizon 2020“

Das Thema hatte sehr große Resonanz, so dass wir mit dem Erreichen von unserem Maximum von 25 Teilnehmern leider auch einigen Interessenten absagen mussten.

Der sehr aktuelle Vortrag von Herrn Christian Krämer, First Vice President Management Affairs, verantwortlich für die geschäftlichen / strategischen Beziehungen der KfW-Bankengruppe zur Politik in Berlin / Brüssel und zu nationalen Entwicklungsbanken gab eine exzellente Einführung in unsere Diskussion. Die Folien der Präsentation in englischer Sprache mit einem Video zum Kooperationsprojekt „Marguerite Fund / Butendiek“ sind beigefügt. Herr Krämer mit seiner langjährigen Erfahrung in der Projekt und Entwicklungsfinanzierung, auch in Kooperation mit den entsprechenden Entwicklungsinstituten in Frankreich und anderen europäischen Ländern, zeigte sich als wirklich profunder Kenner dieses Kooperationsfeldes.

Moderation: Johannes Schmid

Wichtige Punkte seiner Ausführungen: (siehe auch beigefügte Präsentation)

1. Vorstellung des Juncker-Plans mit seinen Zielen und dem Investment Plan

2. Cosme & Horizon 2020 Programme für Innovationen und KMUs in Europa

3. Kooperation mit CDC & Bpifrance („Caisse des Dépôts“, „Banque publique d´investissement“)

Ad 1:

Mit dem (sehr ambitionierten) Juncker-Plan sollen innerhalb von 3 Jahren 1,2 Mio. Jobs geschaffen und dabei das EU BIP um 330-440 Mrd. erhöht werden. Der Plan besteht aus 4 Säulen: eine bestehende Projekt-Pipeline, Technische Assistenz / Know-how Austausch, EFSI (European Fund for Strategic Investments) und einem zu schaffenden Investitions-Umfeld (Stimulierung). Im Übrigen ist er am 10. März definitiv beschlossen worden.

Struktur des Plans:

Über die Mittel des EFSI von € 21 Mrd. (16 von EU Kommission und 5 von EIB) sollen insgesamt € 315 MRD an Finanz-Ressourcen geschaffen werden, wovon € 240 Mrd. für langfristige Investment-Finanzierung und € 75 Mrd. für die Finanzierung von KMUs bestimmt sein sollen. Die deutsche Bundesregierung hat sich bisher zu € 8 Mrd. verpflichtet, womit dann ein Projektvolumen von ca. € 20 Mrd. erreicht werden sollte. Neueste Nachrichten bestätigen, dass auch Spanien € 1,5 Mrd. beitragen will, Frankreich und Italien haben jetzt ebenfalls angekündigt jeweils € 8 Mrd. über ihre nationalen Förderbanken beizutragen.

Der Erfolgsdruck ist sehr hoch.

Ad 2:

Die Finanzierung von Cosme & Horizon 2020 läuft in Deutschland mit Unterstützung der KfW. Die Hausbanken sind jedoch die klare Schnittstelle zu den Kunden und tragen die Verantwortung für die Finanzierung der Projekte. Know-how ist hier vorhanden, um dies um zu setzen.

Ad 3:

Kooperationen und Zusammenarbeit

Es macht großen Sinn, dass die nationalen Förderinstitute gemeinsam diese Themen angehen und sich gut abstimmen. Hier gibt es eine bewährte deutsch-französische Achse. Die Förderinstitute haben noch 3 Forderungen, die im Moment gemeinsam geklärt werden:

  •  Unbürokratisches Vorgehen (Verwendung, Reporting)
  • Direkter Zugang auch ohne EIB (in Klärung)
  •  Berücksichtigung bei der Bankenregulierung

Herr Krämer ist sehr zuversichtlich, dass trotz der aktuellen Hektik, das von Deutschland bestätigte Volumen von 7,5-8 bzw. 20 Mrd. erreicht werden könne, da auch großer Erfolgsdruck besteht.

Fragen und Beiträge:

o Bürokratie als Hindernis?

Herr Krämer erläuterte, dass der hohe Erfolgsdruck helfen würde und die KfW und ihre Partnerbanken hierzu gut unterwegs seien, um die Gefahr von zu viel Bürokratie, ein „Bürokratie-Dickicht“ zu verhindern bzw. ein zu dämmen. Herr Götz von der Commerzbank sieht hier die Hausbanken in der Pflicht, die Projekte und Initiatoren zu unterstützen. Hierzu seien in der Vergangenheit bereits Kapazitäten entwickelt worden, die gut mit der KfW zusammenarbeiten.

o Bankenregulierung: Es soll eine Berücksichtigung dieser Projektfinanzierungen bei den Ratings der Banken geben. (Einfluss Juncker?!)

o Wahrscheinlichkeit des Erfolgs?

Pipeline bestehender Projekte wird beim Start helfen. Wichtig ist, dass es nur wirtschaftliche Entscheidungen geben soll. Besondere Bedeutung wird vor allem den privaten Finanziers zukommen,. Mit Unterstützung des EFSI sollen auch wirtschaftlich grenzwertige Projekte durchkommen. Der EFSI wird nur die Eigenkapitalbasis verbessern und die öffentlichen Banken werden bei Finanzierungslaufzeiten und -kosten unterstützen.

o Pricing / Zinssätze

– Banken wird Risiko Marge zugestanden, aber mit CAP

– Längere Laufzeiten als normal: 3 Jahre Bauzeit + bis zu 13 Jahre Tilgung

– Schnelligkeit bei Zusage, um Innovationen auch in Gang zu bringen

o Glaubwürdigkeit der EU Kommission wird auch eine wichtige Rolle spielen für die erfolgreiche Beteiligung privater Investoren. Die KfW kann hierbei mit ihrem guten Image in Deutschland unterstützen.

o Aktuelle Nachfrage ist hoch, auch getrieben durch die Neugierde und die enorme PR Maschine. Die Veranstaltung der EIB in Berlin vor ein paar Tagen hatte sehr große Resonanz. Dabei spielt auch eine Rolle, dass heute die Förderung durch Finanzierungen nicht mehr negativ belegt ist: Ziel ist vor allem Wachstum und Innovation zu verstärken

o Fragen zur Realisierung und Umsetzungen:

– Problem Technologie Beurteilung (Commerzbank) wird durch techn. Institutionen wie z.B. der TÜV unterstützt

– Bestehende Projekt-Pipeline wird den Start erleichtern

– Fokus-Programme mit wichtigen Europäischen Wirtschaftsthemen:

• Digitalisierung

• Länderübergreifende Energie-Projekte

• Infrastruktur-Projekte

• Verkehrsprojekte

– Finanzierung über neue Geschäfte und Betreibermodelle bedürfen jedoch grundlegender Vorbereitung (Herr Rufin)

• Glaubwürdigkeit in Private Public Ownership Modelle muss sichergestellt sein, in der Vergangenheit gab es hier Probleme,

• In UK funktioniert dies gut.

• Mezzanine Finanzierungen wären auch mit einbaubar

Wir bedanken uns bei Herrn Krämer für seine sehr gute und praxisnahe Einführung und seine Antworten und Kommentare zu unseren Fragen. Es hat sich bestätigt, dass das Thema alle Anwesenden sehr interessiert hat und sich viele aktiv damit beschäftigen.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihre rege und aktive Teilnahme an der Diskussion und dem Meinungsaustausch.

Redakteur: Johannes Schmid